Mittwoch, 07. Oktober 2026

Zeichen für Beteiligung und Zusammenhalt

Vier Tage, zahlreiche Perspektiven und viele Möglichkeiten, Demokratie selbst zu erleben: Die Friedrichshafener Tage der Demokratie haben vom 30. September bis 4. Oktober rund 1.000 Menschen zusammengebracht. Besonders groß war die Nachfrage nach den Angeboten für Schulklassen.

Postkarten mit handschriftlichen Texten an Pinnwand
Besucherinnen und Besucher der Friedrichshafener Tage der Demokratie waren eingeladen, ihre Gedanken, Wünsche und Vorstellungen zur Demokratie aufzuschreiben und mit anderen zu teilen.

„Eine lebendige Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie lebt davon, dass Menschen sich informieren, unterschiedliche Perspektiven kennenlernen, miteinander ins Gespräch kommen und Verantwortung übernehmen“, sagt Erster Bürgermeister Andreas Hein. „Die Friedrichshafener Tage der Demokratie haben dafür wichtige Räume geschaffen. Die gute Resonanz zeigt, dass das Interesse an demokratischem Austausch groß ist – bei Erwachsenen ebenso wie bei jungen Menschen.“

In Vorträgen, Workshops, Lesungen, Führungen, Musik- und Mitmachangeboten ging es um aktuelle politische Entwicklungen, Zivilcourage, Kinderrechte, Erinnerungskultur und die Frage, wie demokratisches Zusammenleben gelingen kann. Die Veranstaltungen waren kostenfrei und richteten sich an unterschiedliche Altersgruppen und Lebenswelten.

„Besonders erfreulich war, wie aktiv sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eingebracht haben. Gerade bei den Workshops mit Schulklassen wurde Demokratie nicht nur besprochen, sondern praktisch erlebt“, bilanziert Detlev Maaß, Koordinator der Friedrichshafener Tage der Demokratie und Leiter des Amts für Sport, Freizeit und außerschulisches Lernen. „Demokratie beginnt im Alltag: beim Zuhören, beim Aushandeln unterschiedlicher Interessen, beim Einstehen für andere und beim Mut, die eigene Stimme einzubringen. Genau dafür wollten wir mit der Veranstaltungsreihe Anregungen und Gelegenheiten schaffen.“

Aktuelle Fragen und starke Resonanz bei jungen Menschen

Den Auftakt bildete der Vortrag „Müssen wir an der Demokratie verzweifeln? Donald Trump, die AfD und der ganze Rest“ von Prof. Dr. Joachim Behnke, Politikwissenschaftler an der Zeppelin Universität. Der tagespolitisch aktuelle Blick auf Populismus und die Herausforderungen für die liberale Demokratie stieß auf großes Interesse und gab wichtige Impulse für die weiteren Veranstaltungen.

Besonders stark nachgefragt waren auch die Workshops für Schulklassen. Bei „Mut statt Wut – Zivilcourage ist lernbar!“ beschäftigten sich 380 Schülerinnen und Schüler mit Konfliktsituationen, Angst, Macht und Ohnmacht sowie der Frage, wie Zivilcourage im Alltag konkret aussehen kann. Im Workshop „Gemeinsam stark – Demokratie erleben!“ standen Demokratie, Kinderrechte, Teamarbeit und ein respektvolles Miteinander im Mittelpunkt. In interaktiven Übungen konnten die Kinder demokratische Prozesse und gemeinsames Entscheiden spielerisch erfahren.

Auch die Lange Nacht der Demokratie in der MOLKE setzte einen Schwerpunkt auf junge Menschen. Unter dem Motto „Jugendkultur trifft Demokratie“ verband der Abend Musik, Live-Graffiti und Begegnung. Die Veranstaltung war Teil der landesweiten Langen Nacht der Demokratie, an der sich zeitgleich zahlreiche Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg beteiligten.

Erinnerung, Geschichte und persönliche Perspektiven

Weitere Veranstaltungen eröffneten Zugänge zur deutschen und regionalen Geschichte. Die Tandem-Führung im Zeppelin Museum verband die Auseinandersetzung mit Nationalsozialismus und Erinnerungskultur mit Fragen nach Verantwortung und demokratischen Werten. Der Erinnerungspfad „Gegen das Vergessen“ in Raderach machte die Geschichte der dort eingesetzten Zwangs- und Fremdarbeiter sichtbar. Mit der Buchvorstellung „Landshut 1977. Linksterrorismus in der Bundesrepublik“ und der multimedialen Lesung „Rose + Robert. Liebe in Zeiten der Kriege“ wurden zudem historische Ereignisse aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und Bezüge zu aktuellen Fragen von Freiheit, Widerstand und gesellschaftlichem Zusammenleben hergestellt.

Einen besonderen persönlichen Zugang zur Demokratie bot eine Postkarten-Aktion: Besucherinnen und Besucher waren eingeladen, ihre eigenen Gedanken, Wünsche und Vorstellungen zur Demokratie aufzuschreiben und mit anderen zu teilen. Eine Auswahl der entstandenen Postkarten ist auch nach Abschluss der Veranstaltungsreihe in der vhs Friedrichshafen zu sehen.

Den Abschluss bildete am 3. Oktober das gemeinsame Singen auf dem Adenauerplatz. Mit Liedern zu Frieden, Hoffnung und Zusammenhalt erinnerte die Veranstaltung „Deutschland singt und klingt“ an die Friedliche Revolution und die verbindende Kraft gemeinsamer demokratischer Werte.

Die Friedrichshafener Tage der Demokratie wurden von der vhs Friedrichshafen / Europe Direct koordiniert und gemeinsam mit zahlreichen Partnerinnen und Partnern aus Kultur, Bildung, Wissenschaft, Jugendarbeit und Zivilgesellschaft umgesetzt. Beteiligt waren unter anderem die Zeppelin Universität, das Jugend- und Kulturzentrum MOLKE, das Zeppelin Museum, das Medienhaus am See, das Schulmuseum, das Amt für Kunst und Kultur, die Musikschule Friedrichshafen, das Spielehaus und der Spielbus sowie die Initiative Friedensbaum Friedrichshafen.