Donnerstag, 30. April 2026

vhs gewinnt Preis beim Wettbewerb gegen Einsamkeit

Beim landesweiten Ideenwettbewerb gegen Einsamkeit wurde das Projekt „Gemeinsam Gemeinschaft schaffen!“ der vhs Friedrichshafen ausgezeichnet. Das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration von Baden-Württemberg hat aus 323 eingereichten Ideen 35 prämiert, die sich auf kreative und wirksame Weise der Einsamkeit in der Gesellschaft annehmen. Mit einem Preisgeld von 875.000 Euro werden innovative Lösungen zur Bekämpfung der Einsamkeit und Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts unterstützt.

Zwei Frauen und ein Mann präsentieren Urkunde. (Foto: Leif Piechowski)
Patricia Unflat (stellv. Leitung vhs-FN), Manne Lucha (Minister für Soziales, Gesundheit und Integration) und Babette Reitz (Leitung vhs-FN) bei der Preisverleihung am 29.04.26 in Stuttgart. (Foto: Leif Piechowski)

Grundlage des Ideenwettbewerbs war die erste Landesstudie aus dem November 2025 „Einsamkeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt – Baden-Württemberg“. Sie zeigt, dass sich rund 30 Prozent der Menschen im Land einsam fühlen, etwa acht Prozent davon sogar stark. Dabei kann Einsamkeit jeden treffen, nicht nur ältere Menschen. Betroffen sind auch junge Menschen, Eltern in besonderen Lebenslagen, Personen mit chronischen Erkrankungen, Menschen mit Behinderungen sowie Menschen mit Migrationsgeschichte.

Dem will das Projekt der vhs Friedrichshafen entgegenwirken und geht einen einzigartigen Weg. „Wir setzen auf eine aktive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger und fördern die Eigeninitiative vor Ort. Unser Ziel ist es, eine nachhaltige und selbstorganisierte Begegnungsstruktur zu etablieren. Diese soll den sozialen Zusammenhalt in Friedrichshafen stärken und zwar langfristig.“, erklärt Babette Reitz, Leiterin der vhs Friedrichshafen.

Die vhs-FN übernimmt dabei die Rolle der Initiatorin und Vermittlerin, indem sie ein Schulungs- und Coachingkonzept entwickelt. Damit werden engagierte Häflerinnen und Häfler zu sogenannten Begegnungslotsen ausgebildet. Diese sollen in Zukunft in der Stadt Angebote gegen Einsamkeit bekannt machen, miteinander vernetzen und weitergeben.

„Gemeinsam Gemeinschaft schaffen!“ läuft in drei Phasen: Zunächst werden Partnerinnen und Partner aus Einzelhandel, Handwerk und Dienstleistung gewonnen. Gleichzeitig entstehen niedrigschwellige Mitmach-Angebote an ungewöhnlichen Orten – beim Friseur, in der Apotheke, im Quartier. In der zweiten Phase werden die Begegnungslotsen geschult und setzen eigene Angebotsformate um. Bewusst wird auf die Begriffe einsam oder allein verzichtet, um Stigmatisierung zu vermeiden.

In der dritten Phase begleitet die vhs-FN die Gründung eines eigenständigen Vereins. Ziel ist eine selbstorganisierte, nachhaltige Struktur, die auch ohne Förderung weiterbesteht und als Modell für andere Städte dienen kann.

Durch das Preisgeld von 30.000 EUR werden niederschwellige Angebote ermöglicht, die allen Bevölkerungsgruppen zugänglich sind. Dazu gehören unter anderem Stadtspaziergänge, themenbezogene Stammtische, Wissensrunden, Kinovorstellungen sowie generationsübergreifende Kreativangebote und gemeinsame Mittagessen. Auch Barrierefreiheit und aufsuchende Angebote sind wesentliche Bestandteile des Projekts, um sicherzustellen, dass niemand ausgeschlossen wird. 

Die vhs Friedrichshafen sieht „Gemeinsam Gemeinschaft schaffen!“ als einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von Einsamkeit und Isolation vor Ort und freut sich sehr über die Anerkennung des Ministeriums. 

Quelle: vhs Friedrichshafen